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Cannabis auf Rezept

Cannabis auf Rezept

Letztes Update am: 13.11.2019

Am 1. März 2017 erfolgte in Deutschland für Cannabis eine Gesetzesänderung. Seither ist Cannabis auf Rezept für die medizinische Verwendung legal. Die Freizeitverwendung von Cannabis bleibt aber weiterhin - bis auf weiteres - illegal.

Das bedeutet, dass für den legalen Erwerb von Cannabisblüten ein Gang zum Arzt unausweichlich ist. Doch was bedeutet das in der Praxis?

Wir haben uns angesehen, bei welchen Erkrankungen Cannabis auf Rezept möglich ist, ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen und welche sonstigen bürokratischen Hindernisse zu nehmen sind.

Cannabis auf Rezept

Alles auf einen Blick

  • Ärzte aller Fachbereiche können Cannabisblüten als Therapiealternative bei schwerwiegenden Erkrankungen verordnen. Allerdings ist das Rezept für Ärzte und Apotheker mit hohem Aufwand verbunden.
  • Cannabis wird aktuell aus dem Ausland importiert, es gibt bei Apotheken Versorgungsengpässe und Wartezeiten.
  • Die Kosten sind etwas dreimal höher als auf dem Schwarzmarkt. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten in etwa 2/3 aller Fälle.

Cannabis auf Rezept – Ein erster Schritt zur Legalisierung?

Es wird einige überraschen, dass Medizinalhanf bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland komplett legal erworben werden konnte. Cannabis wurde von Pharmaunternehmen in großen Mengen in produziert und war frei erwerblich.

Das war bis vor kurzem natürlich noch vollkommen undenkbar. Denn der Freizeitgebrauch von Cannabis ist seit dem Opiumgesetz von 1929  illegal. Daran hat sich auch bis heute auch nichts geändert. Selbst die medizinische Verwendung war bis März 2017 verboten.

Doch wie so oft, wenn Dinge von Gesetzes wegen verboten werden, entwickelte sich ca. ab den 70er Jahren ein weitreichender Schwarzmarkt für Cannabis. Gleichzeitig kamen in diesem Zeitraum erste eindeutige Hinweise aus der Wissenschaft, dass die Pflanze durchaus auch gesundheitsfördernd eingesetzt werden könnte.

Zunächst ging die Verteufelung der Cannabis Sativa und Cannabis Indica aber weiter. Andere Länder, wie die USA, machten in den letzten Jahren die Anfänge und legalisierten in bisher 11 Staaten auch den privaten Gebrauch für Personen über 21 Jahren . Ein Umdenken setzte auch nach und nach in Europa ein. Niederlande und die Schweiz entkriminalisierten den Privatgebrauch von Cannabis weitestgehend.

Auch der deutsche Gesetzgeber trug schließlich der hohen Nachfrage und dem pharmazeutischen Potential Rechnung. Am 1. März 2017 wurde die medizinische Abgabe von Cannabis auf Rezept von Gesetzes wegen legal. Der erste Schritt zur vollständigen Legalisierung von Cannabis?

Ganz so weit ist es dann doch noch nicht. Aber man kann durchaus von einem ersten (kleinen) Schritt in diese Richtung sprechen.

Seit 2017 können Patienten also Cannabis auf Rezept in den Apotheken erhalten. Dies erfordert aber ein ärztliches Rezept.

Der Freizeitgebrauch bleibt illegal und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren geahndet werden. Von einer Strafverfolgung nach dem BtmG wird aber bei Geringfügigkeit für den Eigenbedarf regelmäßig abgesehen. Je nach Bundesland (Grafik) liegt die Geringfügigkeits-Grenze aktuell bei bis zu zwischen 6 – 15 Gramm.

Cannabis ist eigentlich gar nicht als Medikament zugelassen

Eigentlich ist es ein wenig überraschend, dass Cannabis nun legal auf Rezept erhältlich ist. Denn Cannabis hat nie den Zulassungsweg als Medikament durchlaufen. Denn immer noch gibt es zu wenige wissenschaftliche Langzeitstudien, die für ein erfolgreiches Zulassungsverfahren nötig wären.

Denn Studien und Forschung werden regelmäßig durch die Pharmaindustrie finanziert. Da man Cannabisblüten aber als Bioprodukt nicht patentieren kann (im Gegensatz zu chemischen Präparaten), ist eine Studienfinanzierung für Pharmakonzerne kaum rentabel. Daher befindet sich die Forschung zu Cannabis und CBD streng genommen noch in den Kinderschuhen.

Um dieses Problem zu lösen, wurde mit der Gesetzesänderung beschlossen, dass die medizinische Verwendung mit einer Begleiterhebung verbunden wird. Es soll sich gerade aus der Versorgung heraus ergeben, ob Cannabis bei welchen Patienten wirkt oder nicht. Ärzte sollen in Zusammenarbeit mit den Patienten dabei helfen, das Therapiepotenzial von Cannabis zu erschließen.

Und tatsächlich, Cannabis scheint vielen Menschen zu helfen. Heute hält die überwältigende Mehrheit der Mediziner beträchtliche Verbesserung der Lebensqualität durch Medizinalhanf möglich, insofern es bei den „richtigen“ Patienten angewandt wird.

Und die Nachfrage an Cannabis und Cannabisprodukten in der Bevölkerung ist enorm. Es trifft den Nerv unserer Zeit. Denn viele Menschen suchen nach einer milden natürlichen Alternative zu chemischen Medikamenten, die oft mit starken Nebenwirkungen verbunden sind.

Bei welchen Erkrankungen könnte Cannabis auf Rezept eingesetzt werden?

Ärzte aller Fachbereiche dürfen Cannabis verordnen. Allerdings sind drei Voraussetzungen erforderlich:

  1. Es muss eine schwerwiegende Krankheit vorliegen;
  2. Der Patient keine zumutbare Therapiealternative hat; und
  3. Die Einschätzung des behandelnden Arztes, dass Cannabis zum Therapieerfolg beiträgt.

Wann eine schwerwiegende Krankheit vorliegt, ist gesetzlich nicht definiert und wird auch weit ausgelegt. Dementsprechend sind dutzende von Erkrankungen und Leiden dokumentiert, in denen Cannabis auf Rezept in Deutschland von Ärzten verschrieben wurde, u.a.:

  • Chronische Schmerzen und Migräne
  • Multiple Sklerose
  • Anorexie
  • Übelkeit
  • Depressionen
  • ADHS
  • Zwangsstörungen
  • Posttraumata
  • Tourette Syndrom

 

Eine vollständige Liste von Krankheiten, für die das BfArM bis zur Gesetzesänderung eine Ausnahmegenehmigungen erteilt hat, findest Du hier

Cannabis auf Rezept – Verordnung und Dosierung

In der Praxis ist es aus unserer Erfahrung in Deutschland gar nicht so einfach, einen Arzt zu finden, der für eine Therapie mit Cannabis offen ist.

Dies liegt zum einen daran, dass Cannabis nicht als Medikament zugelassen ist und die Anwendung noch etwas unsicher erscheint. Ärzte verschreiben in vielen Fällen dann eher zugelassene Cannabis-Präparate. Folgende Fertigarzneimittel sind derzeit in Deutschland auf Rezept erhältlich:

  • Sativex (bei Multipler Sklerose und spastischen Anfällen) 
  • Dronabinol (bei Übelkeit durch Chemotherapie sowie appetitanregend bei HIV-Patienten) 
  • Nabilon (bei Chemotherapie und Übelkeit) 

Davon abzugrenzen sind natürliche Cannabisblüten. Das Cannabis-Rezept umfasst regelmäßig die Dosierung der Cannabisblüten sowie eine bestimmte Anwendungsform. Die Höchstmenge umfasst 100 g Cannabisblüten in 30 Tagen.

Die Anwendung des Cannabis wird regelmäßig so verordnet, dass es mithilfe eines Vaporizers inhaliert wird. Es wird auf diese Weise nicht geraucht oder verbrannt, sondern verdampft. Seltener kann es auch als Cannabistee aufgekocht werden. Die Wirkung dessen über den Magen ist aber weniger intensiv und tritt zeitintensiv ein.

Die Kosten in den Apotheken sind hoch

Die Kosten für medizinisches Cannabis auf Rezept in Deutschland sind im internationalen Vergleich am allerhöchsten.

Mit ca. 22 – 30 € pro Gramm kostet deutsches Medizinalhanf sogar mehr als Opium-Medikamente. Monatlich liegen die Kosten einer Therapie demnach zwischen 300 und 2.200 €. Im Vergleich dazu kostet in Uruguay das Gramm Cannabis höchstens 1 €, in Kanada zwischen 3 – 7,50 € / Gramm.

Warum sind die Kosten so hoch?

Dies liegt zum einen daran, dass sämtliches Cannabis aktuell aus Kanada, den Niederlanden und Israel importiert wird. 

Zum anderen liegt es auch an dem Apothekenzuschlag. Denn auch auf Seiten der Apotheken besteht ein hoher Aufwand bei der Abgabe von Cannabis an Patienten. Derzeit müssen Apotheker in fast allen Bundesländern die Identität der Blüten makroskopisch, mikroskopisch sowie mittels Dünnschichtchromatographie (DC) nachweisen. Die DC-Prüfung nimmt etwa 90 Minuten in Anspruch und die Referenzsubstanzen sind teuer. Diese Kosten werden dann an die Patienten weitergegeben.

Deutscher Anbau soll Kosten reduzieren

Um Kosten zu reduzieren und eine sichere Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, wurde 2018 beschlossen, dass Cannabis erstmals wieder in Deutschland angebaut werden darf. Allerdings nur in einem sehr begrenzten Kontingent und nur für den Eigenbedarf.  Denn nach Verlauten des Gesetzgebers soll Deutschland keine Cannabis-Exportnation nach kanadischem und holländischem Vorbild werden (dies will die FDP ändern). Jegliche Überschüsse (die aber nicht erwartet werden) sollen vernichtet werden. So entgehen Deutschland natürlich auch Steuereinnahmen und potentielle neue Arbeitsplätze.

13 neue Anbaulizenzen für Cannabis

Nach einem gescheiterten Erstversuch wurde 2019 beschlossen, dass 13 neue Anbaulizenzen für Cannabis vergeben werden. Das Gesamtvolumen des deutschen Anbaus beläuft sich auf insgesamt 10,4 Tonnen innerhalb von 4 Jahren. Das entspricht etwa 200 kg pro Lizenz und 2.600 kg / Jahr. Eine angesichts der rasant steigenden Nachfrage verschwindend geringe Menge.

Drei Unternehmen haben sich gegen 76 andere Bewerber die neuen Anbaulizenzen gesichert:

  • Aphria (Kanada): 5 Lizenzen
  • Aurora (Kanada): 5 Lizenzen
  • Demecan / Wayland (Deutschland): 3 Lizenzen

Aufgrund der steigenden Nachfrage ist also zu erwarten, dass die neuen Anbauflächen den Bedarf in Deutschland bei weitem nicht decken werden. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1-3 Millionen Patienten mit Cannabis behandelt werden könnten. Dies wird aller Voraussicht nach dazu führen, dass weiterhin Cannabis importiert werden muss. Die erste deutsche Ernte Cannabis wird Ende 2020 erwartet.

Aktuell bestehen bereits regelmäßig Versorgungslücken in den Apotheken. Einzelne Sorten von Cannabis sind oft monatelang nicht verfügbar, was zu langen Wartezeiten führt. Und die einzelnen Cannabissorten sind untereinander nicht beliebig austauschbar. Denn jede Cannabissorte hat eine etwas anderen THC oder CBD-Gehalt und somit eine andere Wirkung. Viele Patienten kommen nur mit einzelnen Sorten gut zurecht. Das führt mitunter auch dazu, dass sich Patienten auf dem Schwarzmarkt eindecken oder sich gar selbst im Anbau versuchen

Cannabis auf Rezept – zahlt die Krankenkasse?

Da die Kosten hoch sind, ist Cannabis auf Rezept – insbesondere für chronisch kranke Menschen mit hohem Bedarf - für viele finanziell kaum machbar. Aber übernimmt die Krankenkassen diese Kosten?

Kurz gesagt: Leider nicht immer. Zwar sind die Krankenkassen zur Übernahme von Cannabis auf Rezept verpflichtet, insofern „Schwerkranken nicht anders geholfen werden kann“, wie es Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe in der Pressemitteilung zum Gesetzesbeschluss formulierte. Die Krankenkassen unterliegen den Sozialgesetzen (SGB) und sollen, wie vom Gesetzgeber vorgesehen, die Kosten für Cannabis auf Rezept eigentlich übernehmen – insofern sie denn müssen.

In der Praxis sieht das etwas differenzierter aus. Laut Statistiken zahlen die Krankenkassen in nur etwa 2/3 der Fälle. Oft lehnen die Kassen die Übernahme unter Verweis auf die fehlenden wissenschaftliche Studien zu den Wirkungen ab.

Solltest Du unter Aufsicht eines Arztes eine Behandlung mit Cannabis versuchen wollen, so sind die Anwendungsbereiche für eine Therapie vielfältig. Voraussetzungen sind, dass eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt (vage und weit formuliert) und dass keine Therapiealternativen existieren.

Dabei sind dutzende von Leiden und Erkrankungen dokumentiert, in denen Ärzte Cannabis auf Rezept verschrieben haben. Insbesondere bei chronischen Schmerzen (wie auch Migräne) sind die Chancen statistisch recht hoch, dass die Krankenkasse die Kosten für Cannabis auch übernimmt. Denn gerade bei chronischen Schmerzen helfen herkömmliche Medikamente gerade nicht zuverlässig und sind zudem noch mit teilweise starken Nebenwirkungen verbunden.

Zunächst ist es laut unserer Erfahrung aber gar nicht so einfach, einen Arzt zu finden, der für eine Therapie mit Cannabis überhaupt offen ist. Neben den noch fehlenden wissenschaftlichen Studien liegt dies auch an dem (typisch deutschen) hohen bürokratischen Aufwand, der mit einer Verschreibung von Cannabis verbunden ist.

Eine Kostenübernahme für Cannabis erfordert ein ärztliches Gutachten an die Krankenkasse, was für Ärzte sehr aufwendig ist und daher oft kaum rentabel. Außerdem sind die Kosten mit 22-30 Euro pro Gramm so hoch, dass Ärzte riskieren, ihr Verschreibungsbudget zu überziehen. Dies kann schlimmstenfalls zu Regressforderungen oder einer Wirtschaftsprüfung führen.

Es ist also noch alles nicht Gold was glänzt, in der Welt des Apothekenhanfs. Doch besteht Anlass zur Hoffnung? Eine Legalisierung von Cannabis würde die Kosten voraussichtlich dauerhaft senken und eine sichere Versorgung gewährleisten.

Kommt die Legalisierung von Cannabis?

Das steht noch in den Sternen. Ein Wechsel ist voraussichtlich frühestens mit der neuen Regierung in 2021 zu erwarten.

Dass die aktuellen Verbotsgesetze eine hohe Belastung für die Polizei darstellen und einen unsicheren Schwarzmarkt fördern, ist unbestritten. 

Aktuell sind die CDU und die AFD noch gegen eine Legalisierung. Die Grünen, Linke und FDP haben dagegen in der Vergangenheit bereits Vorschläge zur Lockerung unterbreitet. Die Grünen scheiterten mit einem umfassendes Cannabiskontrollgesetz, das die komplette Handelskette bis zum Konsum regulieren sollte.

Es besteht zumindest Hoffnung, dass sich die Gesetzeslage nach dem Vorbild anderer Staaten etwas entspannen wird. In Luxemburg ist man dagegen schon etwas weiter. Dort wurde die Legalisierung von Cannabis - als erstes europäisches Land - bereits beschlossen

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