CBD Science - einfach erklärt!

Alle Cannabinoide im Überblick

Die wichtigsten Cannabinoide im Überblick

Letztes Update am: 13.11.2019

Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die in der Cannabispflanze natürlich vorkommen. Sie sind mitverantwortlich für vielfältige medizinische Wirkungen, die Cannabis auf den Körper haben kann. 

Es gibt über 100 Cannabinoide. Zu den bekanntesten zählen sicherlich CBD (Cannabidiol) und das psychoaktive THC (Tetrahydrocannabidiol). Dabei kommen diese beiden Verbindungen in der Pflanze nur in „saurer“ Form (CBD-A und THC-A) vor. 

Immer mehr Beachtung finden unbekanntere Cannabinoide, wie Cannabigerol (CBG) oder Cannabichrome (CBC). Neben Cannabinoiden enthält die Pflanze auch Terpene. Diese verleihen jedem Cannabis-Stamm ein individuelles Aroma, können aber auch mit Cannabinoiden zusammenwirken.

Das komplette Spektrum der potenziellen Anwendungsbereiche der Cannabinoide ist noch nicht ausreichend erforscht. In diesem Überblick haben wir die aktuelle Forschungslage analysiert und die möglichen Wirkungsweisen der wichtigsten Cannabinoide zusammengefasst.

CBD chemische Strukturformel

Alles in Kürze

  • Jedes der über 100 Cannabinoiden der Pflanze hat eigene Besonderheiten und potenzielle Wirkungsweisen.
  • Cannabinoide können sich gegenseitig beeinflussen und entfalten unterschiedliche Wechselwirkungen.

Was genau sind überhaupt Cannabinoide?

Cannabinoide sind chemische Verbindungen. Sie interagieren mit der Physiologie des Menschen über das so-genannte Endocannabinoidsystem (ECS). Hier sind zwei Rezeptoren verantwortlich, nämlich CB1 (Nervensystem) und CB2 (Immunsystem). Cannabinoide wirken unterschiedlich auf diese Rezeptoren ein, um bestimmte gesundheitliche Wirkungen hervor zu rufen. 

Die Cannabis-Forschung steckt – vor allem aufgrund der langen Illegalität der Cannabis-Pflanze - immer noch in den Kinderschuhen. Auch große Pharmakonzerne haben bisher kaum Geld in die Cannabis-Forschung gesteckt (denn immerhin kann man pflanzliche Stoffe nicht patentieren). Dabei ist es wissenschaftlich unbestritten, dass Cannabinoide sich mitunter sehr positiv auf die Gesundheit eines Menschen auswirken können. 

Übrigens sind die molekularen Strukturen der Pflanze so komplex, dass heute immer noch neue Cannabinoide entdeckt werden!

Was ist der Entourage-Effekt?

Was Mediziner und Forscher an Cannabis begeistert ist, dass bei der Verwendung hunderte von organischen Verbindungen zusammenwirken. 

Die ganzheitliche Wirkungsweise von CBD oder THC mit anderen Cannabinoiden, Terpenen oder anderen Stoffen wird als Entourage-Effekt bezeichnet. Es wird angenommen, dass gerade diese Komplexität besonders effektiv auf den menschlichen Körper Einfluss nehmen kann.

Im Falle eines CBD Öls könnte der Entourage-Effekt etwa umso höher sein, desto umfangreicher die natürlichen Bestandteile eines Öls sind. Diese Art von CBD Ölen werden als Vollspektrumöl oder Vollöl bezeichnet.

Diese Cannabinoide solltest Du kennen

THC 

Manche wird es überraschen, dass man gar nicht high wird, wenn man frisch gepflücktes Cannabis essen würde. Wenn Cannabispflanzen roh geerntet werden, existiert praktisch keines der berühmtesten und berüchtigtsten aller Cannabinoide – dem THC (Tetrahydrocannabinol). 

Stattdessen findet man in lebenden Cannabispflanzen statt THC eine Fülle von THC-A (Tetrahydrocannabinolsäure). Zu der Wirkung von THC-A kommen wir gleich.

Erst durch Wärme und Licht wandelt sich THC-A in THC um, die chemische Struktur wird also verändert. Diesen Vorgang bezeichnet man als Decarboxylierung. Nach der Umwandlung passt THC perfekt in unseren CB-1 Rezeptor des Endocannabinoidsystems. Dort kann THC auf das zentrale Nervensystem Einfluss nehmen. Ein Begleitfaktor dabei ist, dass man durch THC „high“ wird, wenn man es in entsprechenden Mengen konsumiert.

Decarboxylierung: aus THCA wird THC
Foto: © Die Grüne Oase

THC ist natürlich vor allem bekannt für seine berauschende, psychoaktive Wirkung. Der Freizeitgebrauch von THC ist in Deutschland und den allermeisten Ländern der Welt weiterhin illegal. Aber THC kann viel mehr, als nur berauschen. Es hat sich bei Behandlungen von Entzündungen als sehr vielversprechend erwiesen. Daher ist medizinisches Cannabis in Deutschland mittlerweile auf Rezept zugelassen und wird u.a. zur Therapie bei folgenden Krankheiten und Symptomen eingesetzt:

  • Begleitend zur Chemotherapie 
  • Multiple Sklerose 
  • Chronische Schmerzen 
  • Entzündungen
  • Tourette-Syndrom
  • ADHS

THC-A

Der Vorläufer von THC ist also das THC-A, ein recht großes, dreidimensionales Molekül. THC-A wirkt im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv. Vereinfacht gesagt wirst Du von THC-A nicht high, da es schlicht zu groß ist für unseren CB-1 Rezeptor. Um es passend zu machen, muss das THC-A Molekül durch Erhitzen erst verkleinert werden

THC-A ist somit eine inaktive chemische Verbindung. Heißt das, dass THC-A völlig ohne Wirkung ist? Bestimmt nicht. Es wird angenommen, dass THC-A eine Reihe von medizinischen Vorteilen liefern könnte:

  • Entzündungshemmende Eigenschaften - Eine 2011 im Biological and Pharmaceutical Bulletin veröffentlichte Studie ergab, dass THCA zusammen mit anderen Cannabinoiden entzündungshemmende Eigenschaften aufweist. 
  • Antiproliferative Eigenschaften - Eine 2013 durchgeführte Studie, die Zellkulturen und Tiermodelle analysierte, kam zu dem Schluss, dass THCA die Ausbreitung von Prostatakrebszellen verhindern könnte.
  • Neuroprotektive Eigenschaften - In einer in 2012 veröffentlichten präklinischen Studie aus dem Jahr 2012 stellten die Forscher fest, dass THCA einen Beitrag zum Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen leisten kann.  
  • Antiemetische Eigenschaften (zunehmender Appetit und abnehmende Übelkeit) - Eine  2013 von Forschern der University of Guelph in Ontario durchgeführte Studie ergab, dass sowohl THCA als auch CBDA Übelkeit und Erbrechen in Rattenmodellen wirksam reduzieren, sogar mehr als THC bzw. CBD. 

CBD

Das Cannabidiol (CBD) ist unterscheidet sich deutlich von THC. CBD macht nicht high und hat insgesamt wohl weniger (oder sogar gar keine erheblichen) Nebenwirkungen. Für CBD Öle werden meist Nutzhanfpflanzen verwendet, die einen sehr hohen CBD-Anteil und sehr niedrigen THC-Anteil (höchstens: 0.2%) haben. Daher werden in der Regel alle CBD Öle in Deutschland höchstens 0.2% THC enthalten, was sich auch durch unsere Analysen bestätigt hat. Selbst bei übermäßigem Konsum von CBD Öl kannst Du bei solch geringer Menge an THC nicht high werden.

Zahlreiche Studien schreiben CBD – ähnlich wie anderen Cannabinoiden – eine schmerzstillende, krampflösende und entzündungshemmende Wirkung zu. CBD interagiert mit den CB1- und CB2-Rezeptoren im gesamten Körper und wirkt so auf das zentrale Nervensystem und das Immunsystem ein.

Ein Meilenstein für die Verwendung von CBD war sicherlich der Bericht der World Health Organization (WHO), in dem CBD als gesundheitlich unbedenklich bezeichnet wurde. Bisher sind kaum oder gar keine Nebenwirkungen erwiesen.

Laut den Studien unterschiedlicher Forscher könnte CBD bei Folgenden Erkrankungen helfen:

CBD-A

Ähnlich wie bei THC-A, handelt es sich bei CBD-A um den sauren Vorläufer von CBD. CBD-A ist ebenso wie CBD nicht psychoaktiv. CBD-A kommt in lebendem und rohem Cannabis vor. Der Gehalt ist besonders bei Nutzhanfpflanzen höher und bei solchen Stämmen, die für hohe CBD-Gehalte gezüchtet wurden. Ebenso wie THC-A ist CBD-A eine inaktive chemische Verbindung. CBD-A wandelt sich durch Wärme und Licht (Decarboxylierung) in CBD um.

CBD-A kann durch Entsaften mit rohem Cannabis konsumiert werden. Man findet CBD-A auch in CBD Ölen, Cremes und Kapseln. In unserer letzten Labortest-Versuchsreihe konnten bei etwa der Hälfte getesteten CBD-Öle ein messbarer CBD-A-Anteil festgestellt werden.

Ebenso wie THC-A passt CBD-A nicht zu unseren CB-1 und CB-2 Rezeptoren. Allerdings ist bekannt, dass CBD-A mit dem ECS als Inhibitor des COX-2-Enzyms interagiert. So wird angenommen, dass CBD-A möglicherweise das Potenzial hat, Entzündungen zu verringern. 

Es wird außerdem angenommen, dass CBD-A den Serotonin-produzierenden 5-HT-Rezeptor verstärkt. CBD-A könnte einer der Hauptfaktoren sein, warum Cannabis auch gegen Übelkeit (Antiemetika) eingesetzt werden könnte.

CBDA wird allgemein als ein Schlüsselbestandteil des medizinischen Spektrums von Cannabis und der Vielzahl der möglichen therapeutischen Anwendungen angesehen:

Eine Studie aus dem September 2008 untersuchte die potenziellen entzündungshemmenden Eigenschaften von CBDA durch die selektive Hemmung des COX-2-Enzyms. In einer Studie vom September 2012 wurde CBDA als mögliches Antikrebsmittel untersucht. Die antiemetischen Wirkungen von CBDA waren Gegenstand einer Studie vom Februar 2013 . Eine Studie aus dem Januar 2017 ergab, dass CBDA möglicherweise zur Behandlung von aggressivem Brustkrebs eingesetzt werden kann.

Im Vergleich zu Cannabidiol zeigt CBDA eine signifikant höhere Wirksamkeit bei der Hemmung von Erbrechen bei Spitzmäusen und Übelkeit bei Ratten und bei der Verstärkung der 5-HT 1A -Rezeptoraktivierung. Infolgedessen ist CBDA als Behandlung von Übelkeit und Erbrechen vielversprechend, einschließlich vorausschauender Übelkeit, für die derzeit keine spezifische Therapie verfügbar ist.

CBN

Cannabinol (CBN) gilt als leicht psychoaktives Cannabinol, das für seine beruhigenden Eigenschaften bekannt ist. Wenn THC oxidiert wird, wandelt der Abbauprozess THC in CBN um. Daher findet man in älteren THC-Produkten meist höhere Anteile an CBN. Dabei ist gerade der beruhigende Effekt ein Grund für manche Anwender, etwas ältere THC-Produkte auszuwählen. 

Es wird dabei vermutet, dass gerade die Verbindung von CBN und THC sowie Terpenen dazu führt, dass eine sedierende Wirkung eintritt. „Reines CBN ist nicht allein sedierend“, so der führende Cannabisforscher und Neurologe Dr. Ethan Russo.

Der Entourage-Effekt soll sich auch daran zeigen, dass die euphorische Wirkung von THC durch CBN gesteigert werden können.

Die genauen Wirkungen dieses Cannabinoids auf den menschlichen Körper sind noch nicht vollständig erforscht. In der Wissenschaft gab es bereits einige kleinere Studien, die auf einige pharmakologische Anwendungsmöglichkeiten schließen lassen.

  • Antibakteriell: CBN kann ein antibaktierielles Mittel sein. CBN wurde erfolgreich an Stämmen von MRSA-Bakterien getestet, die gegen Antibiotika resistent sind.
  • Neuroprotektivum: CBN konnte in einer Studie erfolgreich den Beginn der ALS-Erkrankung verzögern.
  • Appetitanregend: Ähnlich wie auch THC, konnte im Tierversuch festgestellt werden, dass CBN appetitanregend auf Ratten wirkte. 
  • Entzündungshemmend: Ebenfalls an Nagetieren wurde eine entzündungshemmende Wirkung von CBN bei rheumatoider Arthritis festgestellt werden.

CBC (Cannabichromen)

CBC hat die gleichen Ursprünge wie auch THC und CBD, alle stammen aus Cannabigerolsäure (CBG-A). Cannabispflanzen produzieren CBG-A, die Vorstufe von THC-A, CBA-A und CBC-A (Cannabichromeninsäure).

CBC ist nicht berauschend. Auch hier ist der Grund der gleiche wie bei THC-A und CBD-A. Denn das Molekül passt nicht an unsere CB-1 Rezeptoren. 

Allerdings hat CBC einzigartige Vorteile. Es bindet sich an andere Rezeptoren, wie den Vanniloid-Rezeptor 1 (TRPV1) und TRPA1. Beide dieser Rezeptoren sind im Zusammenhang mit der Schmerzwahrnehmung zu nennen. CBC kann auf diese Weise die Rezeptoren aktivieren, wodurch Anandamid, ein Endocannabinoid, freigesetzt wird. 

Die Wirkungen von CBC wurde in einigen Studien untersucht. Darunter:

  • Schmerz- und entzündungshemmend: dieser Effekt von CBC wurde im Zusammenhang mit kollageninduzierter Osteoarthritis festgestellt. Gleiches konnte bei einer übermäßigen Lipidproduktion getestet werden.
  • Stimmungsaufhellend: bei CBC konnte, ganz im Sinne des Entourage-Effekts, ein anti-depressiver Effekt nachgewiesen werden.

THC-V (Tetrahydrocannabivarin)

THC-V ist nur in sehr hohen Dosen psychoaktiv, ähnlich wie auch CBN. THCV bildet sich nach der Verbindung von Divarinoläsure und Geranylphosphat. Die resultierende THCV-Säure wird decarboxyliert, um THCV zu erzeugen. 

THCV ist vom Molekülaufbau mit THC vergleichbar, hat allerdings eine Propylseitenkette.

Und dann gibt es noch die Terpene

Terpene sind tatsächlich gar keine Cannabinoide. Sie sind duftende Öle, die Cannabis seine aromatische Vielfalt verleihen. Trotzdem sind sie im Verdacht, mehr als nur Duftstoffe zu sein. In synergistischer Wirkung mit anderen Cannabinoiden sollen Terpene dessen Wirkung verstärken oder reduzieren können.

Terpene werden in den gleichen Drüsen abgesondert, die auch Cannabinoide produzieren. Jeder Stamm der Cannabis-Pflanze hat ein individuelles Aroma, das an Zitrusfrüchte, Kiefern, Blumen oder Holz erinnert. Jedes Terpen ist mit individuellen Effekten verbunden. Manche sollen Entspannung und Stressabbau fördern, andere sollen den Geist und Sinne schärfen

Die Terpenenentwicklung wird auch von inneren und äußeren Faktoren beeinflusst, wie Klima, Boden, Alter der Pflanze und Wetter. Somit kann man sich die Terpene ein wenig vorstellen, wie ein Wein, dessen Qualität je nach Jahrgang sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Es gibt mindestens 20.000 Terpene und die Cannabispflanze hat mehr als 100 davon. Manche davon gibt es nur in Cannabis. Zu den bekanntesten Terpenen gehören Linalool, Caryophyllen, Pinen, Humulen, Myrcen und Limonen.

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